Peter Stohrer - Malkoerper Reloaded

Ausstellungsdetails

Alle Fotos: Jean-Luc-Ikelle Matiba

Ausstellungsbeschreibung

Die Malkörper sind eine genuine Erfindung von Peter Stohrer. In ihnen schuf sich der Maler, Bühnenbildner, raumaffine Kurator und stets bauende Künstler seinen eigenen Raum, ein dreidimensionales Feld der Möglichkeiten. So wie Piet Mondrian, die Konstruktivisten oder auch Frank Stellas Shaped canvases sich bei allem Bekenntnis zur Fläche weigerten, die Malfläche als ein in sich geschlossenes Viereck aufzufassen, behaupten sich die Malkörper als komplexer Eigenraum. Dialogisch, als Raum im Raum, kommunizieren sie mit der Ausstellungssituation, sind mal mehr Bildkörper, mal mehr Fensterbank oder Bücherboard.
Dieses Stohrer-spezifische Zwischen antwortet auf Jacques Rancières Forderung, dass Kunstwerke im Sinne ihrer eigenen politischen Wirkweise in sich die Spannung zwischen Kunst und Leben markieren und aushalten müssen.

Text: Michael Stockhausen, Kunsthistoriker

Die „Installation 2000“: 2000, lässt sich paradigmatisch auf diesen Balanceakt ein, der die Kunst des 20. Jahrhunderts durchzieht: Das vielteilige Werk erstreckt sich horizontal über zwei zentrale Ausstellungswände, ausgerichtet an der vertikalen Schattenlinie einer Raum-Ecke. Jedes Element tariert in sich die Rohheit einer Spanplatte und der malerischen Farblasur aus. Findet sich in der wandgreifenden Farb/Form-Konstellation ein augenscheinlich durchgearbeitetes Tafelbild, wird es mit einer einfachen Holzpartie im benachbarten Objekt aufgefangen. Individualität und Gemeinsinn, abgrenzende Differenz und verbindende Linien wie Farbbezüge, Kunst und eingearbeitete Möbelelemente – was man hier sieht, ist Malerei, Skulptur, Installation, Sinnbild und Statement zugleich: künstlerische Praxis und Lebenspraktik in offenporigen Balance.

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