Peter Stohrer- Bühne Beckett-Triologie

Theater

Als Peter Stohrer 1984 nach Köln zog, erwartete ihn nicht nur eine lebendige Kunstszene, sondern auch eine erblühende freie Theaterlandschaft. Für das Theaterstück „Harte Drinks in der in der Südstadt“ (Regie: Angelika Finger) im Bauturm Theater fertigte er schon ein Gemälde an, ebenso für Burkhard Schmiesters Inszenierung der „Erzählung der Magd Zerline“ in der

Severinstorburg, aus der später der Name Severins-Burg Theater abgeleitet wurde. Leider existieren kaum fotografische Abbildungen der Bühnenbilder, die er verantwortete, da sie bei einem Wasserschaden vernichtet wurden. Es finden sich jedoch einige Entwurfskizzen, insbesondere der Szenenbeleuchtung. Ein Schwerpunkt seines Schaffens als Bühnenbildner in jener Zeit war die Lichtkonzeption.

Bühnenbilder

Peter Stohrer- Bühne Beckett-Triologie

Szene aus „Tritte“, Illa Korp

Alle Fotos Clemens Willenberg

Autor: Samuel Beckett
Programm: Nicht ich/Rockaby/Tritte/Atem
Aufführung: 1987

Regie: Burkhard Schmiester
Bühne: Peter Stohrer

Severins-Burg-Theater

Beckett Triologie

Diese Inszenierung war ein Experiment: Das Theaterpublikum wurde vor der Severinstorburg in der Kölner Südstadt mit dem Bus abgeholt und auf die andere Rheinseite, nach Köln-Poll gefahren. Während der Busfahrt hörten die Zuschauer über Lautsprecher das Beckettsche Stück „Nicht ich“, einen Monolog, der bei der Ankunft in der Küche des Paares Stohrer/Savić über einen Fernseher weiter-geführt wurde. Die Zuschauer*innen sahen nur den Mund, der weitererzählte.

Das Publikum wurde währenddessen einzeln in den Keller geführt, ins Schwimmbad-Atelier von Peter Stohrer. Es saß am Beckenrand und schaute in einen spärlich erleuchteten Raum, dessen Lichtquellen sich in den Kacheln spiegelten. Stohrer hatte eine Fernseherinstallation gebaut, so dass das weiße Bildrauschen der Fernseher nur durch einen Schlitz sichtbar war, vor dem die Schauspielerin für „Tritte“ agierte. Auf der Empore, nur beleuchtet durch eine Reihe Teelichter, ging eine weitere Schauspielerin auf und ab, man sah nur ihre Füße und hörte das hallende Geräusch ihrer Absätze. „Rockaby“ spielte sich unterhalb der Empore ab: Die Schauspielerin, nur von einer oberhalb befestigten Taschenlampe beleuchtet, saß in einem Schaukelstuhl und schaukelte während ihres Sterbemonologs immer wieder ins Licht und zurück ins Dunkel hinein.

Die Einfachheit der Mittel entsprach diesen überaus minimalistischen späten Einaktern des Autors und erfasste kongenial das repetitive Rauschen im Kopf der Figuren.

Severins-Burg-Theater

Preparadise sorry now

„Eiseskälte verströmend, blau-verschattet die Skyline einer Großstadt als Bühnenhintergrund. Wie Splitter aus schwarzen Träumen nun Szenen, die „contres“ in aggressiven Farben. In Rot, Gelb und Schwarz. (…) Effekvoll die metallen schimmernde Jalousie, hinter der filmisch die „contres“ rückwärtes rollen. “Eine beklemmende kaltblütige Bestandsaufnahme aus der Unterwelt menschlicher Obsessionen.“ Auszug aus Kölner Stadtanzeiger , 15.03.1988

„Das Severinsburgtheater nutzt zum zweiten Mal die sakrale Aura seines Spielortortes für ein schwarzes Mysterienspiel (…) Der kühle, ausgebleichte Stil von Faßbinders frühen Filmen, der distanzierende Gestus einer sozialpsychologischen Fallstudie sind hier angemessen. Diese Stilisierung gelingt der Regisseurin Dana Savić sehr gut. Die Begrenzungen der Rundbögen nutzend, werden zunächst die Dreier-Szenen präsentiert. Die Gruppierungen werden jeweils durch grellfarbige Kostüme hervorgehoben. Zwei rote Hemden gegen ein gelbes Trikot, oder zwei gelbe gegen ein rotes.“ Sendemitschnitt Mosaik, WDR, Gerhard Preußer

Peter Stohrer - Preparadise Sorry Now Aufführung

Szenen aus Preparadise sorry now v.l.n.r, Anna Abraham, Daniel Werner, Sunga Weineck, Robert Lüken, Mites van Oepen / Abb.Team v.l.n.r.: Andreas Müller, Uli Rogun, Peter Stohrer

Autor: Rainer Werner Fassbinder
Premiere: 12.03.1988

Regie: Dana Savić
Bühne: Peter Stohrer/Andreas Müller

Peter Stohrer - Preparadise Sorry Now Zeitungsartikel

Programmheft, Coverbild und Collagen im Innenteil, Peter Stohrer

Peter Stohrer - Preparadise Sorry Now Skizzen

Skizzen zu Bühne und Licht „Preparadise sorry now“

Kunsthaus Rhenania

Verlorene Zeit

Das Kunsthaus Rhenania am Rheinauhafen strahlte 1989 noch den rohen Charme der Getreidespeicher. Ein paar Künstler*innen hatten sich Ateliers eingerichtet, einige Bands ihre Proberäume, ein Teil der autonomen Szene logierte zwischen den Etagen. Die Gruppe Theatersyndikat sah genau darin, den idealen Rahmen für das Großstadt-Beziehungsdrama „Verlorene Zeit“. Doch zunächst musste gesägt, gehämmert, geflext werden, damit der Raum überhaupt bespielbar wurde. Mit Andreas Müller schuf Peter Stohrer einen ironischen postmodernen Loftraum, in welchen das Publikum mit einem fantastischen Hafenblick gelockt wurde, bevor es in die Untiefen eines Geschlechterkrieges versank.

Peter Stohrer - Verlorene Zeit Afführung
Peter Stohrer - Verlorene Zeit Afführung Nahaufnahme

Szene aus „Verlorene Zeit“, v.l.n.r.: Mark Zak, Anna Abraham, Margret van Oepen, Peter Davor
Abb.2: Margret van Oepen, Anna Abraham

Alle Fotos Clemens Willenberg

Autor: John Hopkins
Premiere: 19.05.1989

Regie: Dana Savić
Bühne: Peter Stohrer/Andreas Müller

Peter Stohrer - Verlorene Zeit Zeitungsartikel

Programmflyer „Verlorene Zeit“, Beschreibung des Stückes und des Raumes, Stadtrevue, Abb. Zeichnung Peter Stohrer

Peter Stohrer & Dana Savic - Verlorene Zeit

Peter Stohrer und Dana Savić während der Theaterproben „Verlorene Zeit“

Peter Stohrer- Verlorene Zeit Bühnenbild-Skizze

Skizze: Peter Stohrer

Plakatentwurf zu „Kein Ort.Nirgends“ unter Verwendung einer Zeichnung von Peter Stohrer

Plakatentwurf zu „Kein Ort.Nirgends“ unter Verwendung einer Zeichnung von Peter Stohrer

Peter Stohrer - Bühnhnenbilder für Kein Ort. Nirgends

Theater am Sachsenring

Kein Ort. Nirgends

Der Bühnenbildner hat sich an der Bildsprache der Romantik orientiert. Denn in „Kein Ort.Nirgends“ von Christa Wolf, begegnen sich Karoline von Günderrode und Heinrich von Kleist in einem Salon zu einer Teegesellschaft. Zwei dichtende Außenseiter, die an der Gesellschaft scheiterten und unabhängig voneinander Selbstmord begingen. Ein Steg mit Sand und ein von Rastern und Papier durchzogener Spiegelparavent sind die einzigen Bühnenelemente im Theater am Sachsenring. Die unterbrochenen Spiegelungen unterstützten die Zerrissenheit der Figuren, die Möglichkeit hinter dem Paravent zu gehen, schuf ein für die Zeit typisches Schattenspiel und die Rasterungen betonten das Gefangensein in gesellschaftliche Konventionen. Christa Wolf spiegelte darin verdeckt die Situation der Künstler*innen und das gesellschaftliche Korsett der DDR. Es folgten Gastspieleinladungen von den Goethe-Instituten Amsterdam und Brüssel.

Autorin: Christa Wolf
Premiere: 09.12.1989

Regie: Dana Savić
Bühne: Peter Stohrer

Studiobühne Köln

„Duett“, Uraufführung

Leider existieren kaum fotografische Abbildungen der Bühnenbilder, die er verantwortete, da sie bei einem Wasserschaden vernichtet wurden. „Duett“ (1992) in der Studiobühne hatte ein überaus komplexes multimediales Bühnenbild, bestehend aus Laufschriften und Dia-Installationen. Da das Stück Showcharakter hatte, wurde dafür speziell eine Stahltreppe gebaut (Rolf-Maria-Rexhausen), Kandidatenkabinen, Requisiten, wie ein zusammenzubastelndes Schwein, umkippende Bundesadler und viele andere bewegliche Elemente, die Peter Stohrer konzipiert und gebaut hat, gehörten ebenfalls dazu.

Dies zu erwähnen ist deshalb notwendig, weil die freie Theaterszene weder über die personellen, noch technischen und erst recht nicht über die finanziellen Mittel verfügte, um große, komplexe Produktionen zu stemmen. Produktionen dieser Art waren nur durch ein hohes Maß an Leidenschaft, Disziplin und Selbstausbeutung realisierbar.

Peter Stohrer „Duett“, Uraufführung
Szenen aus „Duett“,Ensemble: Christa Krones, Michael Klevenhaus, Klaus Prangenberg, Birgit Pacht, Margret van Oepen

Szenen aus „Duett“,Ensemble: Christa Krones, Michael Klevenhaus, Klaus Prangenberg, Birgit Pacht, Margret van Oepen

Skizzen zu “Duett“

Autorin: Dana Savić
Premiere: 14.02.1992

Regie: Dana Savić
Bühne: Peter Stohrer

Peter Stohrer „Duett“, Uraufführung
Skizzen zu “Duett“

Skizzen zu “Duett“

Skizzen zu “Duett“

Grafische Arbeiten

Peter Stohrer lernte, noch von der Pieke auf, das Einmaleins des grafischen Gestaltens in der Werbefachschule, damals 1969 noch mit Vorzeichnungen auf Papier und Letraset-Buchstaben. Später auf der Folkwang-Hochschule ging es natürlich um spartenübergreifende Vermittlung von Gestaltung unter dem Oberbegriff „Visuelle Kommunikation“. Doch Peter Stohrer verstand sich in erster Linie als Maler und Werbung interessierte ihn hauptsächlich als Quelle seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit der Bildsprache als solcher.

Was ihn hingegen immer interessiert hat, war die Dokumentation von schöpferischen Prozessen, seien es seine eigenen oder die der anderen Künstler*innen. Seine besondere Liebe galt Kunstkatalogen und Kunst-Einladungskarten. Er sammelte sie und schuf ein beachtliches Archiv zeitgenössischer Ausstellungen und Kunstprojekte. Gleichzeitig war das Archiv für ihn auch eine Entscheidungshilfe auf der Suche nach interessanten Künstler*innen. So lud er den erstaunten Künstler Hans-Peter Webel für eine Ausstellung ein, aufgrund eines Jahre zurückliegenden Katalogs, an den er sich besser als der Künstler selbst erinnern konnte.

Er gestaltete und realisierte zudem alle Kataloge zu den Ausstellungsreihen, die er im WBK-Forum Bildender Künstler als Leiter verantwortete sowie zahlreiche Broschüren während seiner kuratorischen Tätigkeit in der Städtischen Galerie Schloß Borbeck. Doch auch unabhängig von konkreten Ausstellungen, realisierte er Kataloge im Auftrag anderer Künstler*innen. Am umfangreichsten (185 Seiten) war die letzte Gestaltung vor seinem Tod: Der Katalog „Rudolf Knubel – mit den Augen denken“, der anlässlich einer großen Retrospektive des Künstlers in Zusammenarbeit mit zwei Museen erschien. Eine fruchtbare Zusammenarbeit entstand auch mit dem Kulturzentrum Schloß Borbeck, unter der Leitung von Dr. Bernd Mengede, für das er seit 2002 den Werbeauftritt von Jahresprogrammen bis zur Webseite verantwortete. Das Besondere an seiner Auftragstätigkeit als Grafikdesigner war, dass sie für ihn immer mehr bedeutete als nur einen Brotjob auszuführen. Ob nüchterner Geschäftsbericht für die Stadt Essen oder werbewirksames Veranstaltungsplakat, stets rang er nicht nur um die bestmögliche Lösung, sondern auch darum einen eigenen gestalterischen Weg zu finden.

Künstler*innen Kataloge (Auswahl)

Katalog

Rudolf Knubel – Mit den Augen denken. Retrospektive.

2016
Herausgeber: Kunstmuseum Ahlen
Druckverlag Kettler
ISBN 978-3-86206-615-5

Hans-Peter-Webel - Purpur Zier

Katalog

Hans-Peter-Webel

2012
Herausgeber: Stadt Essen, Städtische Galerie Schloß Borbeck
Druckverlag Kettler
ISBN 978-3-86206-153-2

Anne Berlit – Codes and Windows
Anne Berlit – Codes and Windows

Katalog

Anne Berlit – Codes and Windows

2013
Herausgeber: Stadt Essen – Städtische Galerie Schloss Borbeck
Text: Prof.Dr. Helen Koriath, Dr. Hella Nocke Schrepper
Druckverlag: Kettler
ISBN 978-3-86206-327-7

Katalog

Gunhild Söhn – Die Sammlung Gunhild Söhn

2011
Herausgeber: Oberbürgermeister der Stadt Herne, Flottmann-Hallen-Herne
Text: Sepp Hiekisch-Picard, Gunhild Söhn
Druckverlag Kettler
ISBN 978-3-934940-35-2

Peter Stohrer - Die Sammlung Labor